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III. Fortsetzung von Teil II (ca. 1800 bis 1950)
[Part III continuation of part II, abt. 1800 to 1950]


Der Kurfürst Karl Theodor war nach 56jähriger Regierung 1799 gestorben. Sein Nachfolger Max Josef verzichtete 1802 auf die Pfalz rechts des Rheins, die mit Baden vereinigt wurde und unter die Regierung des Kurfürsten, nachmaligen Großherzogs Karl Friedrich kam. Die evangelische Bevölkerung, die über 100 Jahre lang unter hartem Druck gestanden war, atmete erleichtert auf.
Pfarrer Centurier, Urenkel eines Hugenotten, 1750 in Dürrmenz bei Pforzheim geboren, erlebte in Schönau die napoleonischen Kriege, die Zeit der tiefsten Erniedrigung und der Befreiung Deutschlands. An der Union, d. h. an der Vereinigung der reformierten und der lutherischen Kirche hat er mit größtem Eifer gearbeitet. Er hat die beiden Gemeinden in Schönau vereinigt und sich um die Einführung der Union in Baden 1821 ein großes Verdienst erworben.
Hier ist der Ort, noch einiges über die lutherische Gemeinde in Schönau zu berichten, die sich 1765 ein kleines Kirchlein gebaut hat und nun Filial der Pfarrei Heddesbach war. Das lutherische Kirchenbuch beginnt 1768. Der Pfarrer in Heddesbach war N. Biton, seit 1772 Hachtel.
Lutherische Gemeindeglieder waren: die Tuchmacher Hering, Fischer, Edelmann, Würtele, Kuhn, Thomas (Kirchenvorsteher), Schubach aus Alsfeld (Hessen), Black aus Biedenkopf (Hessen), Schäfer aus Falkengesäß, Leinenweber Hofmann, die Taglöhner Arold, Kilian und Kober, Nagelschmied Arold, Papiermüller Adam Bernauer (Kirchenvorsteher und 1812 Oberbürgermeister), Müller Edelmann, die Bäcker Henninger, Nollert und Ruffler, die Metzger Heidenreich (Lammwirt) und Greulich (Adlerwirt) dei Löwenwirt Bernauer, die Schuhmacher Lauer und Legron, die Küfer Steigleder und Wilhelm, die Wagner Höpfinger aus Unteröwisheim und Ebert, Dreher Ziegler, Zimmermeister Ebert, der Bauer Ebert auf dem Lindenbacher Hof, der Papiermacher Lindauer aus  [Altgrün, Böhmen] Asch im Österreichischen. Lutherischer Schulmeister war erst Friedr. Schöllkopf, dann Georg Willebücher. 1815 verheiratete sich der verwitwete Metzger Heidenreich mit Luise von Degenfeld auf dem Eulenhof bei Sinsheim. 1814 sind genannt Lorenz Mühlstätter, Zollgardist, und Baptist Kefer, Landchirurg. 1816 ist erstmals erwähnt Joh. Krämer, Seifensieder. Im Totenregister finden sich einige bemerkenswerte Einträge: 1771. "Johann Philipp Kumpf, Bürger und Tuchmacher-Meister, wie auch Schönfärber in Beerfelden, ist gestorben den 1. Januar 1771 und den 2. öffentlich begraben worden, alt 59 Jahr und 2 Monath. NB. Erst bemeldter Kumpf wollte von Beerfelden nach Heidelberg reyßen, um daselbst Farb einzukaufen. Er wurde aber unter Wegs von der Colic angegriffen, und konnte nicht weiters kommen, als biß nach Schönau, allwo er sich bei Daniel Kuhn in das Bett gelegt und nach einem viertägigen schmertzhafften Krankenlager in dem Herrn der Hoffnung nach selig verschieden ist". (1776). "Des Andreas Ebert Zimmermeister zu Schönau jüngster Sohn starb eines gewaltsamen Todes; er wollte mit einem Wagen Holz nach Hauß fahren, hatte aber das Unglück, daß, indem er neben den Ochsen vor dem Wagen herging, wegen dem Glatteiß glitschte, niederfiel, und von dem vorderen Rad ergriffen und elendiglich zerquetscht wurde. Wurde den 21. Januar dieses Jahres unter einer zahlreichen Begleitung zur Erde bestattet. Seines Alters 14 Jahr" (1777). "Katharina Barbara Bernauerin ein Kind guter Hoffnung hatte das Unglück, daß es durch einen Fall bey der Mühl in dem Wasser sein Leben verlohr den 28. März a. c. und wurde den 30. darauf als an dem Osterfest feierlich zur Erde bestattet. Des Alters 1 Jahr, 2 Monath, 19 Täg" (1789). "Johann Conrad Wilhelm Werner aus dem Anspachischen gebürtig, seiner Profession ein Schleifer und zugleich Zunftmeister der Tuchscherer, kam von seinen Reißen, legte sich zu Schönau krank nieder, und starb den 29. Juli an einer Brustkrankheit. Seines Alters 61 Jahr, 7 Monath und etl. Täge". "Am 5. Juli 1795 ist dem Schneider Friedrich Runz ein dreijähriges Töchterlein im Bach ertrunken". "Am 8. Mai 1818 ist dem Schuhmacher Peter Lauer ein 2 Jahre altes Söhnlein im Mühlgraben ertrunken". Am Rand neben dem Geburtseintrag des am 3. Okt. 1818 geborenen David Lauer, Sohn des Schumachers Peter Lauer, ist vermerkt: "gestorben den 23. Februar 1841 als wandernder Bäckergeselle zu Komorn im Königreich Ungarn."
Schon seit Juli 1817 hat der reformierte Pfarrer Centurier das lutherische Kirchenbuch geführt und die lutherische Gemeinde mitverwaltet. Das Reformationsjubiläum 1817 hat der Union kräftig den Weg bereitet. Bereits 1820 hat Centurier die reformierten und lutherischen Konfirmanden gemeinsam konfirmiert. Seinen Stolz und seine Freude über das endliche Gelingen der Union im Jahr 1821 merkt man aus der Notiz, mit der er die ganze letzte Seite des Geburtsregisters ausgefüllt hat: "Hier endiget sich das Kirchen-Protokoll der evangelisch lutherischen Gemeinde zu Schönau sowohl für die neu gebohrenen, als die Gestorbenen und Getrauten, weil, da die evang. reformierten und die evang. lutherischen nun vereinigt sind, beide promiscue bei Geburten und Taufen, Copulationen und Sterbefällen in das evangelisch protestantische Kirchenbuch, das aus 3 Theilen besteht, als dem Taufbuch, dem Copulations-Buch und dem Todtenbuch, eingeschrieben werden, und nun keine zwei sondern nur eine evangelisch protestantische Gemeinde anerkannt ist. Schönau, den 28. Oktober 1821 als dem Vereinigungs-Fest beider bisherigen Gemeinden! Centurier.
Dem reformierten Kirchenvorstand gehörten im Jahr 1808 an: Joh. Scheid, Schultheiß, Mich. Herion, Daniel Kuhn, Martin Wäldner. 1809 traten an die Stelle der beiden letzteren: Ludwig Kinzinger und Phil. Kohlweiler. Bei der Einführung der Union 1821 wurde der Kirchenvorstand um 3 von der lutherischen Gemeinde gewählten Vorsteher erweitert: Gg. Böhringer, Förster, Peter Lauer, Schuhmacher, Justus Black, Tuchmacher.
Wie sehr die Union bei ihrer Einführung in den Herzen schon Boden gewonnen hatte, kann man aus dem im Kirchengemeinderats-Protokollbuch enthaltenen Bericht über die Feier des Reformationsjubiläums 1817 sehen: "Unter dem 31. Oktober 1817 wurde das dritte Saecular-Fest der Reformation hier gefeiert, und über Col. 2 V. 7 von dem Ortspfarrer J. Centurier eine zweckmäßige Predigt gesprochen ... Um halb neun Uhr morgens ging der evang.-reformierte und der evang.-lutherische Kirchenvorstand nebst zweien evangelischen Predigern, als dem besagten Ortspfarrer und dem ordinierten Ministerii Candidaten Karl Kilian, und die Jugend der zwei hiesigen evangelischen Gemeinden, auch die vorzüglichsten Gemeindeglieder, unter Musik und dem Abfeuern des Geschützes zur Kirche: Auf beiden Seiten des Zuges stunden 54 evangelische und katholische junge Leute unter Gewehr und schossen dasselbe zu gewissen bestimmten Zeiten ab, um das Fest desto feierlicher zu machen. Die beurlaubten Soldaten haben in ihrer Uniform und Gewehr den Pfarrer und den Kirchenvorstand begleitet, und beim Eintritt in die Kirche abgefeuert. Nachmittags um 2 Uhr geschah der nehmliche Actus, und die evangelisch reformierten begleiteten die evangelisch lutherischen zur Kirche, die im evangelisch reformierten Gotteshause, nebst Predigt von Herrn Karl Kilian gehalten wurde. Die Herzen beider Gemeinden waren bei Anhörung der Predigten, und den Wohltaten der Kirchenverbesserung tief bewegt."
Einen Einblick in die Schulverhältnisse am Anfang des 19. Jahrhunderts gewährt folgende Notiz im Kirchenbuch: "Sonntag, den 29. März 1818 hat Pfarrer zum dritten mahl die Eltern öffentlich und kräftig ermahnt, ihre Kinder fleißig zur Schule zu schicken, und am 11. April hat er das Verzeichniß der Schulversäumnisse ans hiesige Oberbürgermeister-Amt selbst übermacht".
Ende der zwanziger Jahre war der Papierfabrikant Ad. Bernauer Oberbürgermeister. Peter Kuhn war Stadtdiener. Als Lehrer wirkten Simon und Peter Herion zusammen mit dem Schulprovisor Andr. Ziegler. Als Kirchenvorsteher sind genannt der Müller und Bäckermeister Daniel Scheid und der Tuchmacher und Rösselwirt Barthel Gerbert. Val. Spieß war Zollgardist. Den "Ochsen" hatte Gg. Heidenreich, das "Lamm" Jakob Kuhn, den "Löwen" Karl Hofmann. Die Tuchmacher hatten weitaus das Übergewicht. Auch die Schuhmacher waren sehr zahlreich. Als Schreiner sind genannt Adam Lipponer, Barth. Rabe, Daniel Winnewisser; als Nagelschmiede: Nik. Arold, Nik. Kastin, Nik. Staub, David Rabe, Lor. Hölzer; als Hafner Kaspar Wolf und Joh. Frick; als Seifensieder: Joh. Krämer, als Handelsmann: Val. Legronne; als Bauern: Peter Winnewisser, Nik. Sattler, Hch. Winnewisser, Peter Ebert, Adam Scheid, Matth. Kern. Auf dem Michelbucher Hof saßen Jak. Hauck, Jak. Heuß und Mich Heuß, auf dem Hasselbacher Hof Matth. Lipponer und Nik. Breitenstein, auf dem Lindenbacher Hof Jak. Kern und Val. Kern.
Vom Mai 1829 an tat Pfarrer Centurier keinen Dienst mehr. Die Pfarrei verwaltete bis 1834 Vikar Leitz.
Die Zahl der Geburten betrug 1829: 51, 1830: 42, 1831: 60, 1832: 48, 1833: 66, 1834: 67. Gestorben sind 1829: 20, 1830: 22, 1831: 22, 1832: 53, 1833: 42, 1834: 42. Der Name Elfner taucht in diesen Jahren zum erstenmal auf. Im Jahr 1830 war Daniel Scheid Oberbürgermeister. Als Stadtschreiber ist Wilh. Frei genannt, als Akzisor und Waisenrichter der Bäcker Jak. Scheid. Neben dem Gensdarm Baier waltete der Zollgardist Richter seines Amtes, der zugleich "Guide bei der topographischen Landesvermessung" war. Als Chirurgen wirkten Val. Glinz und Val. Kraft, als Arzt der Stabschirurg Lange. Die Hebammen hießen Rabe und Kuhn. Michelbuch hatte einen Stabhalter namens Kling und zwei Lehrer: Ludwig Herion und Simon Herion.
Der Walkmüller Matthias Lieboner und der Nagelschmied Daniel Lieboner haben miteinander ein Protokoll unterzeichnet, wobei der eine Lieboner und der andere Liebohner schrieb.
Während der Amtszeit des Pfarrers Jak. Heinrich Bürck in Schönau (1834-1840) stieg die Zahl der Geburten von 60 auf 71, die der Trauungen schwankt zwischen 7 und 24, die der Todesfälle zwischen 38 und 52. Dem Kirchenförster Stockmar stand der Waldhüter Reichert zur Seite. Oberbürgermeister war der Tuchmacher Jakob Kohlweiler. Der Sohn des früheren Oberbürgermeisters Bernauer war Papierfabrikant. Gemeinderechner war der Maurermeister Schrotz. Als Kirchengemeinderäte sind genannt: Barth. Gerbert, Gastgeber zum "weißen Roß", der auch dem Gemeinderat angehörte, ferner Tuchbleicher Peter Lauer und Müller Edelmann. Namen, die heute in Schönau nicht mehr vorkommen: Drehermeister Held, Schreinermeister Held, Tuchmacher Münster, Rauth, Rusch, Schuhmacher Zonzios, Taglöhner Bourré, Nagelschmied Raule, Hammerschmied Hartmann, Mühlarzt (Zimmermeister) Wendel.
1835 findet sich erstmalig bei Schuhmacher Nik. Lauer der Zusatz "im Rahmengarten". Das Eisenhammerwerk bei Schönau ist zum ersten Male erwähnt im Sterbeeintrag des Gg. Hch. Raith, Köhler von Finstetroth bei Weinsberg.
An die Stelle des nach Handschuhsheim versetzten Pfarrers Bürck trat 1840 Pfarrer Sauder, der schon 1844 starb und auf dem St. Annenfriedhof in Heidelberg bestattet wurde.
Anfangs der vierziger Jahre war die Zahl der Geburten viel größer als heute: 67, 54, 77, 68. Aber auch die Todesfälle waren zahlreicher: 42 (darunter 21 Kinder), 47 (darunter 30 Kinder), 64 (darunter 28 Kinder), 58 (darunter 23 Kinder).
Bürgermeister war anfangs der vierziger Jahre der Bäcker Daniel Scheid, Ratschreiber Joh. David König aus Waibstadt und Ludwig Thomas; Gemeinderechner der Seifensieder Christoph Krämer, Bezirksnotar war Anton Funke, dann Karl Franz Weitzel. Der katholische Pfarrer hieß Anton Mund. Als Amtschirurg und prakt. Arzt war Alois Renner tätig. Als Gemeinderäte sind genannt; Lammwirt Kuhn, Joh. Simon, Ludwig Thomas, Wagner Hopfinger; als Kirchengemeinderäte: Barth, Gerbert (zum Roß), Peter Simon, Peter Lauer, Müller Edelmann.
Neben dem Kirchenförster Stockmar gab es den Großherzogl. Förster Wippermann. Ihnen zur Seite standen der herrschaftliche Forstgehilfe Metzler, der Forstaufseher Schubert in Michelbuch, der herrschaftliche Waldhüter Leinenweber Schmitt, der Waldschütz Staub, und der Waldhüter in den Kirchenwaldungen Kuhn.
1840 starb der Totengräber Joh. Jak. Kinzinger, dem sein Sohn Philipp im Dienst nachfolgte. Franz Kuhn war Gensdarm, Martin Zimmermann Gendarmeriestationskommandant. Außerdem Papierfabrikanten Mich. Bernauer gab es den Jak. Gg. Bernauer, Müller in der Schafbach. Das Gasthaus zum "goldenen Löwen" hatte nach dem Tod seiner Mutter der Bierbrauer Konrad Bernauer und nach seinem Tod 1842 sein Schwager, der Gerbermeister Konrad Balde aus Eberbach. In jener Zeit kam die Industrie auf. Zu der Bernauer'schen Papierfabrik gesellte sich das Eisenwerk, dessen Besitzer Gg. Wilhelm Reubold (Bürger zu Michelstadt) hieß und das eine ansehnliche Zahl Hammerschmiede beschäftigte: Hartmann, Dell, Kunz, Koch, Menges. Daneben bestand die Tuchfabrik von Kolligs mit dem Spinnmeister Herion und dem Werkmeister Krieg.
Am zahlreichsten von allen Handwerkern waren die Tuchmacher. Während die Tuchscherer und Schönfärber auf dem früheren Stand blieben, hatten die Tuchbleicher bedeutend zugenommen: Heinzerling, Rabe, Kuhn, Lipponer, Lauer. Ebenso die Leinenweber: Ebert, Wolf, Rehberger, Schmitt, Heid. Jak. Legron war Strumpfweber. Sehr stark waren die Schuhmacher vertreten: Simon, Lauer, Sattler, Feuerstein, Kuhn, Lipponer, Legron, Rabe, Eliner, Schmitt, Zonzius. Es gab jetzt auch erheblich mehr Schneider: Heuß, Schneider, Glinz, Krämer. Eine Blütezeit erlebten die Nagelschmiede: Schumm, Kern, Glinz, Rabe, Kinzinger, Arold, Kuhn, Lipponer, Hölzer, Kastin, Staub, Reinhardt. Die Maurer hatten sich stark vermehrt: Gärtner, Roßnagel, Glinz, Reibold, Gaukel, Plitt. Dazu die Zimmerleute Nollert und Kinzinger, zu denen auch die Mühlärzte Wendel und Hör zu rechnen sind. Es gab einen Bierbrauer Thomas, einen Ziegler Kinzinger, einen Seifensieder Krämer und einen Krämer Legron. Die Küfer hielten sich auf der Höhe: Ebert und Steigleder. Die Schreiner waren noch nicht in solcher Zahl vorhanden wie heute. Genannt sind Daniel Winnewisser und Jak. Lipponer. Dagegen waren die Wagner viel zahlreicher als heute: Lipponer, Höpfinger, Kern. Karl Held war Dreher. Bei Mich. Würtele und Friedr. Held ist als Beruf Handelsmann angegeben. Die Berufsbezeichnung "Ackermann" findet sich bei den Bürgern Scheid, Kilian, Heuß, Winnewisser, Ebert, Kern, Sattler, Wilhelm. Es gab also eine stattliche Anzahl Bauern. Dazu kamen die Hofbauern Kern auf dem Lindenbacher Hof, Breidenstein auf dem Hasselbacher Hof, Heuß und Kern auf Michelbuch. Ferner wird eine große Zahl von Taglöhnern genannt: Gerbert, Kilian, Ebert, Kober, Winnewisser, Kern, Gärtner, Herion, Kuhn, Heuß, Rauth, Glinz, Reichert, Rothmund, König, Kettler, Jekel. Fuhrleute waren Gg. Scheid und Jak. Winnewisser. Denen, die ins Leben traten, halfen die Hebammen Simon, und Feuerstein. Wenn einer diese Welt verließ, mußte ihm der Oberamtschirurg Alois Renner als Leichenschauer den Tod bescheinigen.
1844 verheiratete sich der Bäckermeister Berroth aus Obergröningen (Württemberg) gebürtig, mit der Witwe des Bäckermeisters Kern, einer Tochter des Wagnermeisters Höpfinger. 1845-1853 amtierte in Schönau der Pfarrer Karl Wilhelm Ernst. Er erlebte mit der Schönauer Gemeinde die stürmischen Revolutionsjahre 1848/49, in denen der Lehrer Höfer in Altneudorf als Freischärlerführer auftrat, der in Mannheim standrechtlich erschossen wurde. Die deutschkatholische Bewegung, die damals aufkam, schlug auch in Schönau Wellen. Der Taglöhner Jak. Rabe, der als Deutschkatholik bezeichnet ist, wurde 1850 in der evangelischen Kirche von Pfarrer Ernst getraut. Aus dem Trauungsbuch seien noch folgende Einträge hierher gesetzt: 1850 getraut in Frankfurt Hugo Kolligs, Handelsmann. 1845 getraut in Ziegelhausen Handelsmann Friedr. Scheid mit Marie Reinhardt von der Stiftsmühle. 1847 Jak. Greulich, Küfer- und Bierbrauermeister, Sohn des Bierbrauermeisters und Adlerwirts Jak. Greulich. 1847 in Heiligkreuzsteinach Joh. Daniel Scheid, Bierbrauer und Gastwirt zum "roten Ochsen", Sohn des Bäckers und Kirchenvorstehers Daniel Scheid. 1849 Phil. Gottlieb Bannsbach, Unterlehrer in Eppelheim, mit der Tochter des Hauptlehrers Peter Herion. 1849 in Eberbach Jak. Bernauer, Unterlehrer in Wiesloch, mit der Tochter des Müllers Edelmann. 1850 Joh. Adam Mannschott, Flaschnermeister, mit Luise Kübler von Gochsheim.
Als Nachfolger von Pfarrer Ernst kam 1853 Pfarrer Joh. Va1. Hottinger nach Schönau, der bis 1857 blieb. Im Gemeinderat saßen Kaufmann Friedr. Scheid und Drehermeister K. Held. Als Knabenlehrer wirkte Peter Herion, als Mädchenlehrer Chr. Billing, als Elementarlehrer Ph. G. Bannspach. Ratschreiber war der pensionierte Hauptlehrer Zimmermann von Grötzingen. Als Notar ist eingetragen Theodor Tretzer und 1855 Jak. Kilian. Auf dem Lindenbacher Hof war damals eine Rettungsanstalt eingerichtet, aus der später das Pilgerhaus bei Weinheim hervorgegangen ist.
Ein bleibendes Verdienst erwarb sich Pfarrer Hottinger durch die Gründung der Kleinkinderschule, die seit 14. Mai 1854 besteht. Anlaß dazu gab ihm die trostlose Lage der Gemeinde in jenen Not- und Hungerjahren, in denen die meisten Einwohner arm waren, auswärts ihrem Verdienst nachgehen und ihr Brot sauer verdienen mußten. Wertvolle Hilfe erhielt er von Bezirksförster Stockmar, von Dekan Sabel in Heidelberg und durch dessen Vermittlung von der Gräfin Jenison Walworth aus London, die damals in Heidelberg wohnte, sowie vom Oberkirchenrat. Die Kinderschule war zuerst in einem Wirtshaus untergebracht, dann in der Mühle, die heute Fr. Eberts Anwesen darstellt, hierauf im Kolligs'schen Hause (ehemals Metzger Kuhn). 1857 wurde das dem Bürgermeister Lieboner von Ursenbach gehörige Haus gegenüber der Kirche erworben, das jetzt im Besitz von Hans Arold ist und in dem damals M. Bernauer einen Laden hatte. Der Kaufpreis betrug 950 Gulden, wovon der Oberkirchenrat 550 bewilligte und Dekan Sabel mit Gräfin Jenison 400 zuschoß. Die erste Schwester hieß Kath. Soulier. An ihre Stelle trat 1856 Katharina Kienum (Schwester Kathrine). Sie war 1834 in Nimburg geboren, wirkte in Schönau bis 1902 und lebte da noch 2 Jahre daselbst im Ruhestand. Sie starb 1904 und erhielt auf dem Schönauer Friedhof ihre letzte Ruhestätte.
In großartiger Weise wurde 1856 das 300jährige Jubiläum der Einführung der Reformation gefeiert. Dabei wurde die von Karl Rosenlächer in Konstanz gegossene kleinere Glocke zum erstenmal in Gebrauch genommen.
Im April 1858 erhielt Pfarrer Wilhelm Henninger die Pfarrei Schönau, die er bis April 1872 innehatte.
Die Zahl der Geburten in dieser Zeit ist erstaunlich hoch. Sie bewegt sich zwischen 60 und 97. Über die ungeheure Zahl der Todesfälle kann man erschrecken. 1861 waren es 60, darunter 36 Kinder und 3 Totgeborene; 1865: 66, darunter 37 Kinder und 9 Totgeborene; 1866: 50; 1867: 36; 1868: 48; 1869: 63; 1870: 68, darunter 49 Kinder; 1871: 53. Daß hierin Wandel geschaffen wurde, ist das Verdienst der medizinischen Wissenschaft und der hygienischen Maßnahmen, durch die es gelungen ist, den Tod zurückzudrängen. Die Frucht jahrzehntelanger Bemühungen der Volkshygiene ist ein gewaltiger Sieg des Lebens. 1862 starb der Bezirksförster Stockmar, 71 Jahre alt. Außer dem Forstamt hatte Schönau ein Notariat, das 1861 von dem Notar Wessinger und 1869 von dem Notar Liehl verwaltet wurde. Als Ärzte sind genannt 1860 der Amtsassistenzarzt Aneshäusel und 1863 der Assistenzarzt Buisson.
Das Amt eines Bürgermeisters bekleidete 1861 der Wagnermeister Höpfinger, nach dessen Tod 1865 der Schuhmachermeister Johannes Simon, dem 1868 der Kaufmann Friedr. Scheid folgte.
Der Hauptlehrer Peter Herion starb bald nach seiner Pensionierung 1867 im Alter von 82 Jahren. Dem Knabenlehrer Eberle folgte Wilh. Heiler. Nachfolger des Mädchenlehrers Jäck war Ludwig Reimold. Ala katholischer Lehrer wirkte Aug. Büchler. Die Stelle des Gemeinderechners hatte Bäcker Ludw: Scheid. Als Polizeidiener ist 1859 der Wagner Friedr. Kern genannt, als Kirchendiener 1868 der Tuchmacher Peter Wältner, als Postbote Nik. Kuhn, als Waldhüter Nik. Winnewisser.
Besitzer des "Löwen" war 1870 Ferd. Balde. Als Adlerwirt erscheint 1861 Gg. Gärtner, als Lammwirt 1860 Gg. Eisele und 1869 Ed. Wilms.
Auf Grund des Staatskirchengesetzes von 1860, das in Baden die Kirche vom Staat trennte, gab sich die badische evangelische Kirche 1861 eine Verfassung. Am 17. November 1861 wurde zum erstenmal nach dieser Verfassung die Kirchengemeindeversammlung gewählt. Sie bestand bei 266 Wahlberechtigten aus 32 Mitgliedern, wovon 6 dem Kirchengemeinderat angehörten. In den Jahren 1868-1895 leitete Bürgermeister Scheid die Geschicke der Gemeinde.
Am 20. Oktober 1869 genehmigte die Kirchengemeindeversammlung den Verkauf der Almosenwiese an Fabrikant Freudenberg in Weinheim zum Preis von 700 Gulden. Das war ein Beschluß von weittragender Wirkung, der mit dazu beigetragen hat, daß anstelle des bald völlig zugrundegehenden Tuchmachergewerbes für einen großen Teil der Einwohner eine neue Erwerbsquelle erschlossen wurde.
Die Kirchengemeinderatsprotokolle der ersten 6 Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gewähren einen Einblick in die furchtbare Armut, die in zahlreichen Familien herrschte. Namentlich in den Hungerperioden der 20er und 50er Jahre muß die Not entsetzlich gewesen sein. Aber die Protokolle lassen auch erkennen, daß die Kirchengemeinde ein offenes Auge, ein warmes Herz und eine linde Hand gehabt hat. Wenn auch nicht großzügig und durchgreifend geholfen werden konnte, weil die Gemeinde sich nach den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln richten mußte, so ist doch in hunderten von Fällen eine, wenn auch kleine, Unterstützung gegeben worden, die von den Bedachten sicherlich als eine Wohltat empfunden wurde. Es ist geschehen, was möglich war; und wenn dies nicht geschehen wäre, wäre nichts geschehen. Das sollte man nicht vergessen und sollte heute noch dafür dankbar sein.
Auch von den Schulverhältnissen im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts gewinnt man ein Bild aus den Kirchengemeinderatsprotokollen. Es gab ja damals noch keine allgemeine Schulpflicht und kein geordnetes Schulwesen wie heute. Wie viele Schulversäumnisse kamen vor und mußten gerügt und bestraft werden, teils mit, teils ohne Erfolg! Wie oft mußten die Eltern ermahnt werden, ihre Kinder in die Schule zu schicken! Manchesmal waren Kinder tagelang auswärts, wofür den Eltern Strafe angedroht oder auferlegt werden mußte. Als Beleg für den dadurch verursachten Tiefstand der Bildung mag die Tatsache dienen, daß am 12. Dezember 1858 4 alte Leute den Empfang einer Unterstützung bescheinigten, von denen ein Mann seinen Namen unterzeichnete, während drei Witwen, da sie nicht schreiben konnten, ein Kreuzchen hinsetzten.
Auf Pfarrer Henninger, der 1872 nach Königsbach übersiedelte, folgte Pfarrer Karl Krayer, bisher in Heddesbach, der bis zu seiner Versetzung nach Bretten 1889 in Schönau wirkte.
Am 1. Dezember 1878 wurde ein gemischter Chor ins Leben gerufen, den die Lehrer Hübner und Volz bis 1881 gemeinsam leiteten. Daraus entstand der Kirchenchor, den Lehrer Bomhard 1883 neu belebte und bis 1891 leitete. Hierauf übernahm Oberlehrer Wißwässer den Kirchenchor und nach dessen Versetzung 1894 Hauptlehrer Scheurich, der ihn bis zu seinem Wegzug nach Weinheim 1908 leitete.
Von großer wirtschaftlicher Bedeutung war die Gründung der Städt. Sparkasse im Jahr 1878, die 1928 zur Verbandesparkasse erweitert wurde, die bis 1933 von Ratschreiber W. Wältner, bis 1945 von E. Barth, bis 1950 von F. Münd geleitet wurde, an dessen Stelle Gg. Hertel getreten ist.
In den Jahren 1889-1907 war Heinrich Auderer Pfarrer in Schönau. Dem Kirchengemeinderat gehörten an: Val. Manschott (gest. 1912), Forstwart Sattler (gest. 1901), Nik. Würtele (gest. 1906), Jak. Scheid (gest. 1901), Gg. Wilh. Simon (gest. 1929), David Lauer (gest. 1922), Bürgermeister Karl Reichwein (gest. 1922), Jak. Lipponer (gest. 1919). 1901 wurde Gg. Wilh. Simon anstelle des Karl Lauer zum Kirchenrechner ernannt. Am 24. Juli 1892 schrieb Fabrikant Friedrich Carl Freudenberg in Weinheim, der sich stets als warmherziger Freund der Kinderschule erwies, an Pfarrer Auderer, daß seine Mutter in anbetracht des schlechten Zustandes der Kinderschule hierfür ein Haus mit Spielplatz errichten wolle. Als Bauplatz wurde der Berroth'sche Garten erworben und hierauf der Neubau erstellt. Am 14. August 1893 wurde die neue Kinderschule eingeweiht, mit der sich die Stifterin, Frau Johanna Freudenberg geb. von Balder, deren Gedächtnis als Gründerin des Diskonissenvereins im Segen bleibt, ein Denkmal gesetzt und der Gemeinde Schönau eine Wohltat erwiesen hat, die allezeit zu tiefstem Dank verpflichtet.
Im gleichen Jahr wurde die Heizung in der Kirche eingerichtet, 1895 die Orgel eingeweiht, und die Kirche renoviert, 1897 die neue Kanzel angeschafft, 1902 die Acetylenbeleuchtung in der Kirche eingerichtet. Am 11. Mai 1902 fand die Weihe der neuen Glocken statt, die von der Glockengießerei Hamm in Frankental geliefert wurden. Von den 2 alten Glocken, die umgeschmolzen wurden, trug die größere die Inschrift: "Unter G. A. Lauter, Pfarrer von Schönau, gesprungen und neu gegossen auf Kosten der reformierten Gemeinde Schönau im Jahr 1765. Anselm Frantz Speck in Heidelberg goß mich". Auf der kleinen Glocke stand: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Luk. 2, 14. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13, 8. Von Carl Rosenlächer in Constanz gegossen 1856 No. 519". Das von Hamm gegossene neue Geläut bestand aus der Christusglocke (506 kg, Ton g) mit der Inschrift: "Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid alle Brüder" Matth. 23, 8, der Paulusglocke (253 kg, Ton h) mit der Inschrift: "Nun wir sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, Röm. 5, 1" und der Lutherglocke (150 kg, Ton d) mit der Inschrift: "So besteht nun in der Freiheit, dazu euch Christus befreit hat, Gal. 5, 1". Während des Krieges im Jahr 1917 wurde die größte und die kleinste Glocke zum Zweck der Landesverteidigung abgegeben. 1905 wurde Michelbuch von Schönau getrennt und der Pfarrei Neckarsteinach zugewiesen.
Als Nachfolger von Pfarrer Auderer kam 1907 Pfarrer Karl Roth nach Schönau, an dessen Stelle 1911 Pfarrer Wilhelm Ackermann trat. In den Kriegsjahren 1915/16 ließ die Ev. Pflege Schönau das neue Pfarrhaus am Jägerpfad bauen. Nachdem das ehemalige reformierte Pfarrhaus in der Rathausstraße an die Stadtgemeinde verkauft worden war, wohnten die Pfarrer Henninger, Krayer, Auderer, Roth und Ackermann im ehemaligen Forsthaus, das bis 1917 als Pfarrhaus diente und seitdem wieder als Forsthaus benützt wird, in dem der Forstwart der Pflege Schönau seine Wohnung hat.
An Stelle des Bürgermeisters Karl Lauer, der seit 1895 seines Amtes waltete, trat 1901 Bürgermeister Karl Reichwein, dem Ratschreiber Wilh. Wältner und Hch. Vögele zur Seite standen. Dem Gemeinderat gehörten an: Fabrikdirektor Hempfing, Maurermeister P. Gärtner, die Schuhmachermeister Rud. Simon und Gottfried Mich. Lauer, Blechnermeister L. Mannschott und Landwirt F. Schrotz. Der Kirchengemeinderat bestand aus Bürgermeister Reichwein, Schuhmachermeister Gg. Simon, David Lauer, Adam Lauer, Maurermeister P. Gärtner und Schreinermeister H. Winnewisser. Das Amt eines Kirchendieners hatte Andreas Manschott. Polizeidiener waren Joh. Feuerstein und Ludw. Black.
Am Anfang dieses Jahrhunderts (Schönau hatte 1800 Einwohner) wurden wichtige Einrichtungen geschaffen: das Volksbad 1904 (erweitert 1925), die Kanalisation 1910, das elektrische Licht 1914.
Der Weltkrieg 1914-1918, der schwere Opfer verlangte, brachte über viele Familien tiefes Leid. Die Lebensmittel wurden knapp, die Rohstoffe gingen aus. Es wurden Brot- und Fleischkarten ausgegeben. Es mangelte an Milch, Butter, Fett, Mehl und Eiern. Es fehlte an Wolle und Leder. Der Bedarf an Kleidern und Schuhen und Wäsche mußte aufs äußerste eingeschränkt werden. An Feuer und Licht mußte gespart werden. Da die waffenfähigen Männer zum Heer eingezogen waren, hatten die Alten und die ganz Jungen und namentlich die Frauen alle Arbeit daheim zu leisten. Zur Behebung der Ernährungsschwierigkeiten trat 1916 die vom Verein für Volkswohlfahrt unter dem Vorsitz von Dr. Schnell ins Leben gerufene Kriegsküche in Tätigkeit, die im Marktplatzschulhaus untergebracht war.
Den Kirchenchor leitete 1909-1913 Hauptlehrer Spengler. Dann übernahm ihn Hauptlehrer Weigold, der 1914 in den Krieg zog und wie Lehrer Gassert im Mai 1915 fiel.
Seit 1913 leitete die Volksschule in Schönau Oberlehrer Birmele. Neben ihm wirkten Hauptlehrerin Frieda Frey, Hauptlehrer Speck und der kath. Hauptlehrer Himmelsbach.
Der Krieg neigte sich schon dem Ende zu und alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß kein glücklicher Ausgang zu erwarten sei, als der Verfasser dieser Schrift im April 1918 seinen Dienst in Schönau antrat. Wer könnte den November 1918 vergessen, jene bangen Wochen der Auflösung und des Zusammenbruchs, während die Grippe wütete und in dem entkräfteten Volk zahllose Opfer forderte!
Zur Feier der Heimkehr unserer tapferen Krieger stellten wir am 8. Dezember 1918 eine von Daniel Greiner in Jugenheim geschaffene Lutherbüste auf dem Sockel der alten Kanzel in der Kirche auf.
In der stürmischen Zeit der Revolution und in den Jahren nachher wurden die Gemüter durch die politischen Kämpfe, namentlich bei den häufigen Wahlen heftig erregt, aber das Leben ging ungestört weiter. In der Gemeindeverwaltung herrschte eine ruhige Stetigkeit. Bürgermeister Reichwein und die Ratschreiber Wältner und Vögele blieben auf ihren Posten. Nach den Neuwahlen setzte sich der Gemeinderat zusammen aus Direktor Hempfing, Friedr. Schrotz, Blechnermeister Adam Mannschott, Mich. Gottfr. Lauer, Lederarbeiter Nik. Heinzerling, Schreiner Adam Gärtner.
Bald nach Kriegsende wurde der katholische Pfarrer Barth versetzt. An seine Stelle trat Pfarrer Geist, dem 1925 Pfarrer Fettig folgte.
1921 wurde der Taufstein in der Kirche aufgestellt, der aus dem Kloster stammt und lange unbeachtet auf einer Wiese lag. Im gleichen Jahr wurde als Ersatz für die Christusglocke eine von der Gemeinde Hockenheim abgegebene Glocke (502 kg, Ton gis) erworben, die 1907 bei Rincker zu Sinn (Nassau) gegossen wurde und die Inschrift trägt "Ich bin die Auferstehung und das Leben". Im September 1921 wurde der "Ev. Gemeindebote" eingeführt.
Auf Neujahr 1922 legte Kirchendiener Andreas Manschott der ein halbes Jahrhundert lang mit dem kirchlichen Leben aufs engste verwachsen war (er starb 1932), sein Amt nieder, das nunmehr sein Sohn Heinrich Manschott übernahm.
Auf 1. August 1921 wurde Oberlehrer Birmele nach Neckargemünd versetzt, wo er am 2. September 1929 im Neckar ertrank. Sein Nachfolger in Schönau wurde Oberlehrer Scheurich, der von Weinheim wieder hierher zurückkehrte. Er trat 1934 in den Ruhestand und starb 1944. Sein Nachfolger, Oberlehrer Winter, wurde 1949 nach Neckargemünd versetzt. Als Hauptlehrer Speck versetzt war, trat an seine Stelle 1923 Hauptlehrer F. W. Frey, der bis Sommer 1933 hier wirkte. Die katholiscne Hauptlehrerstelle, die bis 1919 Hauptlehrer Himmelsbach innehatte, erhielt Hauptlehrer Frankenbach, der 1938 den Nachwirkungen seiner Kriegsverletzung erlag.
Bügermeister Karl Reichwein, seit 1901 im Amt, starb 1922. Zu seinem Nachfolger wurde Blechnermeister Joh. Adam Mannschott gewählt. Er leitete bis 1934 die Geschicke der Stadt und stand ab 1946 wieder an ihrer Spitze.
In den Gemeinderat wurden 1922 gewählt: Direktor Hempfing, Fritz Schrotz, Nik. Heinzerling, Adam Gärtner, Friedrich Lipponer. Das Amt des Gemeinderechners erhielt Phil. Lauer.
Direktor Hempfing wurde anläßlich seines 70. Geburtstags am 12. Dezember 1922 zum Ehrenbürger von Schönau ernannt. Nach seiner Zurruhesetzung im Juli 1923 übernahm Direktor Reinhardt die Leitung der Lederfabrik. Als ihn erst 36 Jahre alt, der Tod ereilte, trat Direktor Dürr an seine Stelle. Direktor Hempfing starb am 3. Mai 1934.
Die Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg 1914 bis 1918 gefallenen Krieger wurde im August 1921 beschlossen und dem Bildhauer Daniel Greiner in Jugenheim übertragen. Die Gedenktafel, die im Kirchenbogen an der Wand der kath. Kirche aufgestellt ist, wurde 1923 eingeweiht. Sie ist ein Meisterwerk der bildenden Kunst, eigens geschaffen für den Platz, wo sie steht. Im Kreuzgang des ehemaligen Klosters, im Torbogen, durch den man einst ins Brunnenhaus ging, erhebt sich das Bild dessen, der ein Brunnquell lebendigen Wassers für alle Zeiten ist.
Das Bild des Erlösers ragt über den Namen der Gefallenen und über der trauernden Mutter, ja über unserem ganzen geplagten, vergänglichen Geschlecht. Zwischen den beiden Kirchen steht das Kreuz mit dem Heiland. Ein schönes Sinnbild der Zusammengehörigkeit trotz allen Unterschieden. Ob katholisch oder evangelisch, wir schauen alle auf zu dem einen Herrn. Aufgerichtet ist das Kreuz, das Zeichen der Niederlage sowohl wie auch des Sieges. Schmerzerfüllt, aber still ergeben und voll Zuversicht blickt die Mutter zu dem Gekreuzigten empor. Er sagt ihr: Sei getrost, dein Schmerz ist nicht umsonst; die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Und er sagt uns: Opfer und Liebe, das ist der Weg, der aufwärts führt, der Weg zum wahren Menschentum in Gerechtigkeit und Frieden. Durch Nacht zum Licht, durch Kreuz zur Krone!
1924 trat Hauptlehrerin Frieda Frey, die seit 1883 im Schuldienst stand und seit 1901 in Schönau wirkte, in den Ruhestand. Ihre Stelle erhielt Hauptlehrerin Anna Balduf.
1925 wurde die Kirche renoviert, und über der Kanzel ein Schalldeckel angebracht.
Schon bald nach dem Krieg wurde die seit 1905 bestehende Strickfabrik von Karl Daut umgebaut und erweitert. Die Schulbankfabrik H. Balde & Co. (vormals C. Elsässer) wurde von Bürgermeister Mannschott übernommen und seit 1930 als Schönauer Schulmöbel- und Holzwarenfabrik betrieben.
Der großen Wohnungsnot trat man in den 20er Jahren durch den Bau von Wohnhäusern in der Ziegelhäuser Straße und am Jägerpfad sowie durch die Lärchengartensiedlung entgegen. In den 30er Jahren wurden einige Häuser am Altneudörfer Weg erstellt.
Im Mai 1927 wurde eine Wohnungszählung vorgenommen. Es wurden 538 bewohnte und 6 unbewohnte Wohnungen gezählt, zusammen 544. Die Zahl der Haushaltungen betrug 541. Von den 545 Familien waren 4 ohne eigenen Haushalt. Wohnungssuchende waren 18 vorhanden.
Einige Jahre vor dem 1. Weltkrieg kam die Autoverbindung Schönau-Neckarsteinach zustande. Während des Krieges mußte man sich mit der Postkutsche begnügen. Bald nach dem Krieg ließ die Post täglich ein paarmal einen Omnibus zwischen Neckarsteinach und Heiligkreuzsteinach verkehren. Seit vielen Jahren aber wünschte man eine Eisenbahn, und das Verlangen darnach wurde immer stärker und dringender. Am 19. März 1922 beschloß eine öffentliche Volksversammlung, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Fortführung des 1919 begonnenen, aber bald wieder unterbrochenen Eisenbahnbaus zu erwirken. Bürgermeister Mannschott verfolgte dieses Ziel mit größter Tatkraft und Beharrlichkeit. Im August 1926 wurde der Bahnbau wieder in Angriff genommen und diesmal nach 2 Jahren glücklich zu Ende geführt.
Am 20. Oktober 1928 wurde die Eisenbahnstrecke Neckarsteinach-Schönau dem Verkehr übergeben. Was seit 60 Jahren Wunsch und Streben war, ist Wirklichkeit geworden.
An den 3 Triumphbogen, die zur Bahneinweihung errichtet waren, standen auf Schildern die Jahreszahlen 1869-1928, und an einem Bogen war- der Spruch zu lesen: "Geduldig ist man in Schönau, 60 Jahre dauerte der Bahnbau". Am Tag der Einweihung grün an allen Häusern. Die goldene Herbstsonne strahlte in herrlicher Pracht. Die ganze Einwohnerschaft war von hoher Festfreude erfüllt. Um 11 Uhr fuhr der Festausschuß mit einigen Postkraftwagen nach Neckarsteinach. Ein Sonderzug aus Karlsruhe brachte die Festgäste, darunter Staatspräsident Remmele (stammte aus Altneudorf), Finanzminister Schmitt, die Präsidenten der Eisenbahn- und der Postverwaltung und des Landtags mit zahlreichen Landtagsabgeordneten. Nach kurzer Begrüßung fuhr der Sonderzug auf der neuen Strecke das reizvolle Steinachtal herauf. Mit hellem Jubel wurde er am Bahnhof Schönau empfangen. Die Musik spielte, die Schulkinder und die 3 Gesangvereine ließen ihre Lieder erschallen. Nach Begrüßungsworten des Bürgermeisters setzte sich unter dem Geläut aller Glocken der Festzug in Bewegung, an dem sich alle Vereine beteiligten. Daran schloß sich ein Festessen im Löwensaal. Über dem Eingang zum "Löwen" prangte der Spruch: "Durch Kampf zum Dampf". Nachmittags durften alle Steinachtäler Schulkinder mit der Eisenbahn fahren und erhielten eine Bretzel. Um 5 Uhr verließen die Festgäste Schönau. Abends veranstalteten sämtliche Vereine einen Fackelzug zum Bahnhof, der nach einem Feuerwerk festlich beleuchtet wurde. Im "Löwen" und im "Roß" fand sodann ein Festbankett statt unter Mitwirkung der Feuerwehrkapelle und der Kapelle Feuerstein, der 3 Männergesangvereine und des Turnvereins. Bürgermeister Mannschott gab in beiden Sälen eine Darstellung der Geschichte des Bahnbaus.
In Verbindung mit der Eisenbahneinweihung wurde der folgende Tag, Sonntag, 21. Oktober, als Heimattag begangen. In überaus großer Zahl hatten sich die Schönauer von auswärts aus nah und fern in der Heimat eingefunden. Der Tag wurde eröffnet mit einem Festgottesdienst, an dem sich alle Vereine beteiligten. Die Predigt des Ortspfarrers über 1. Sam. 7, 12 gab einen Rückblick auf die 800jährige Vergangenheit Schönaus und mahnte, die Grundkraft der geschichtlichen Entwicklung unserer Heimat, die Frömmigkeit, lebendig zu erhalten und so eine glückliche, gesegnete Zukunft heraufzuführen. Nachmittags versammelten sich die von auswärts gekommenen Schönauer mit zahlreichen Einheimischen im Saal zum "Roß", wo wieder die Musikkapellen und die 3 Gesangvereine ihr Bestes gaben. Bürgermeister Mannschott hob in seiner Begrüßungsansprache die Bedeutung des Tages hervor und gab der allgemeinen Freude über die neue Eisenbahn Ausdruck, die den Verkehr der nach auswärts verzogenen Schönauer mit der Heimat noch reger gestalten werde. Pfarrer Bossert pries die Schönheit unserer von herrlichen Wäldern umgebenen Heimat und zeigte unter Hinweis auf die Vergangenheit Schönaus, daß unsere Heimat der Liebe und Anhänglichkeit aller ihrer Kinder draußen und daheim wert sei. Noch manches gute Wort wurde gesprochen, das Erinnerungen an die Jugend und treue Liebe zur Heimat zum Ausdruck brachte. Herzliche Dankes- und Abschiedsworte des Bürgermeisters bildeten den Schluß der schönen, harmonisch verlaufenen Feststunden.
Der Winter 1928/29 brachte eine ungeheure Kälte. Namentlich der Februar 1929 war ein harter Monat mit viel Eis und Schnee. Alle Flüsse waren zugefroren, alle Wasserleitungen eingefroren, die Straßen vereist. Dazu wütete wieder einmal die Grippe, von der kein Haus verschont blieb. In mancher Familie lagen gleichzeitig 2, 3 und 4 Kranke im Bett. Um Fastnacht gab es in Schönau 300-400 Kranke. Ein sehr großer Teil der Schulkinder erkrankte. Die Schulzimmer waren trotz dem großen Verbrauch von Holz und Kohlen nicht warm zu bringen. In der Kinderschule erschienen in den Tagen der sibirischen Kälte von 100 Kindern bloß 15. Da überdies das Holz knapp war, wurde sie vom 19. Februar bis 3. März geschlossen.
Im Jahr 1929 wurden in der Volksschule 280 Schüler in 11 Schulklassen von 6 Lehrern unterrichtet. 251 Schüler und 5 Lehrer waren evangelisch, 29 Schüler und 1 Lehrer katholisch. Seit 1921 bestand die Allgemeine Fortbildungsschule und eine Gewerbliche Fortbildungsschule, die zuerst im Saal zum "Adler" und als dieser abgebrannt war, eine zeitlang im Saal zum "Roß", zuletzt bis zu ihrer Aufhebung 1935 im Rathaussaal untergebracht war. Als gewerblicher Fortbildungsschullehrer wirkte Adolf Gnirs, der 1935 nach Neckargemünd versetzt wurde.
In den Kirchengemeinderat würde anstelle des 1929 verstorbenen Fabrikanten Adam Stumpf Maurermeister Michael Gärtner gewählt, der nach einem Jahr starb und durch Adam Scheid ersetzt wurde. Auch Schuhmachermeister Gg. Wilhelm Simon starb 1929 im Alter von 74 Jahren. Er gehörte seit 1895 dem Kirchengemeinderat an, war seit 1901 Kirchenrechner und 1901-1921 auch Kirchensteuererheber, führte auch die Rechnung der Kinderschule und war Mitbegründer und Ehrenmitglied des Kirchenchors, den er mehrmals längere Zeit dirigierte. Zu seinem Nachfolger als Kirchenältester und Kirchenrechner wurde sein Sohn Michael Simon gewählt (gest. 1950). Für den 1930 verstorbenen Kirchengemeinderat Daniel Herion wurde Heinrich Arold gewählt (gest. 1943).
Im Januar 1930 wurde Mich. Simon für seinen verstorbenen Vater in den Vorstand des Diakonissenvereins berufen. Außerdem wurde der Vorstand erweitert, indem Buchhalter Peter Herion und der langjährige Diener Gg. Rehberger zu Vorstandsmitgliedern ernannt wurden. An die Stelle von Schwester Luise Brenn, der Nachfolgerin von Schwester Marie Elisabeth, trat 1930 Schwester Anna Moser. Seit 1926 waren wieder 2 Schwestern angestellt. An Ostern 1931 legte Direktor Hempfing die Rechnungsführung des Diakonissenvereins, die er seit dessen Gründung im Jahr 1839 gehabt hatte, in die Hände des Buchhalters Peter Herion. Nach dessen Pensionierung übernahm Direktor Schildhauer den Vorsitz.
In der Kinderschule wirkte von Oktober 1930 bis 1935 Schwester Anna Staub, der als Helferin Lina Simon zur Seite stand.
1929 wurde vom Verkehrsverein und insbesondere von ihrem Vorsitzenden Dr. Schnell die Odenwälder Heimatbühne ins Leben gerufen.
Bei den Gemeindewahlen 1930 wurden zu Gemeinderäten gewählt: Adam Gärtner, Leopold Gärtner, Gottfried Steigleder, Bäckermeister Georg Steigleder, Philipp Lipponer, A. Büchler.
Bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erhielten die Sozialdemokraten 456 Stimmen, die Nationalsozialisten 306, die Kommunisten 228, das Zentrum 95, die Deutschnationalen 31, die deutsche Volkspartei 10, die deutschen Demokraten 48, der Evang. Volksdienst 30 Stimmen. Bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 erhielten die Nationalsozialisten 247 Stimmen, die Sozialdemokraten 380, die Kommunisten 270, das Zentrum 79, die Deutschnationalen 33, die deutsche Volkspartei 10, die deutschen Demokraten 36, der Evang. Volksdienst 31 Stimmen. Die Reichstagswahl am 5. März 1933, die erste nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler ergab in Schönau 328 Stimmen für die Nationalsozialisten, 470 für die Sozialdemokraten, 234 für die Kommunisten, 81 für das Zentrum, 27 für die Deutschnationalen, 19 für die deutsche Volkspartei, 38 für die deutschen Demokraten, 20 für den Evang. Volksdienst.
Auf 1. November 1934 wurde Pfarrer Bossert zum Pfarrer in Neckargemünd und zum Dekan ernannt. Sein Nachfolger in Schönau, Pfarrer Dr. Erich Roth, wurde im Oktober 1938 nach Diersheim versetzt. An seine Stelle trat Pfarrer Otto Rahm, bisher in Altenheim bei Kehl.
Das nationalsozialistische Regime arbeitete zielbewußt auf den Krieg hin und bereitete ihn vor. Blendende politische Erfolge und eine wirtschaftliche Scheinblüte vermochten das Volk zu täuschen, das nicht merkte, daß es in den Abgrund geführt wurde. Aber eine bange Ahnung hatte jeder, als am 1. September 1939 in frevelhaftem Mutwillen der Krieg begannen wurde. Die glänzenden Anfangserfolge wurden bald überschattet von den furchtbaren Rückschlägen, den pausenlosen Fliegerangriffen auf deutsche Städte, der Hungersnot, den übermenschlichen Anstrengungen der zur Kriegsarbeit gezwungenen Bevölkerung, den unbeschreiblichen Zerstörungen und zahllosen Blutopfern. Heer und Volk waren völlig erschöpft, als im März und April 1945 die gegnerischen Armeen ganz Deutschland überfluteten und besetzten. Das war das bittere Ende: die totale Niederlage, der totale Zusammenbruch.
Von den 438 Teilnehmern am 2. Weltkrieg sind 87 gefallen und 50 vermißt.
Von Fliegerbomben ist Schönau verschont geblieben. Als die Amerikaner am Karfreitag, 30. März 1945 einmarschierten, wurden einige Häuser durch Artilleriebeschuß beschädigt, das Haus des Ludwig Winnewisser zerstört. Auf den Friedhof fiel eine Anzahl Granaten.
Mit der Leitung der Gemeinde betraute die amerikanische Militärregierung den Fabrikdirektor Dürr. 1946 wurde Johann Adam Mannschott wieder zum Bürgermeister gewählt. Die Stelle des Ratschreibers erhielt Heinrich Koch, nach dessen Tod 1948 Edmund Barth.
Pfarrer Rahm trat 1946 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Fritz Häffner, bisher in Stetten a. k. M. Die katholische Gemeinde wurde seit 1936 von Pfarrer Berberich betreut, nach dessen Wegzug 1946 Pfarrer Tilling die Seelsorge allein ausübt.
In der Schule wirkten die Lehrer Ziegler, Jak. Mannschott, Dreher, Schürer, Schultz, Frl. Anna Balduf, Frl. Nordmann, Frau Schneider, Frau Berger und als Handarbeitslehrerinnen Frau Stockhaus und Frau Rehberger.
1939 betrug die Zahl der Einwohner 2104, im Jahr 1945 waren es 2413, davon 2128 evangelisch und 385 katholisch. Durch den im Jahr 1946 erfolgten Zustrom von Ostflüchtlingen stieg die Einwohnerzahl auf 2949; darunter 2025 Evangelische, 870 Katholiken, 52 Sonstige. Haushaltungen gab es 499. 1949 hatte Schönau 3132 Einwohner, darunter 569 Neubürger.
Infolge der Zunahme der Bevölkerung hat sich auch die Zahl der Ärzte vermehrt. Die ärztliche Praxis wurde heute ausgeübt von Dr. K. Schnell, Dr. Bauni, Dr. Engelien und Dr. Weiler.
Naturgemäß ist der schon vorher oft beklagte Mangel an Wohnraum durch die hinzugekommenen Neubürger noch drückender geworden. Die Behelfsheime im Greiner Tal brachten nur wenig Erleichterung. Doch die Großsiedlung an der Lindenbach schaffte wesentliche Abhilfe.
Die quälende Last der Kriegsjahre sowie die Not und Armut der Nachkriegszeit haben den Willen zum Wiederaufbau nicht zu ersticken vermocht. Zeugnis hierfür waren die seit 1943 betriebene Strickerei Anna Müller und die 1946 eröffnete Trikotagefabrik Beck & Arnold. Von den ehemals vorhandenen 15 Wäschereien, die einen großen Kundenkreis in Heidelberg und teilweise in Mannheim bedienten, sind keine übrig geblieben. Dagegen ist schon Ende der dreißiger Jahre eine alte handwerkliche Kunst, das Stoffdrucken, wieder entstanden und wurde von Frau Dreher und später von ihrer Tochter Frau Hennekämper in der kunstgewerblichen Werkstätte "Odenwälder Handzeugdruck" unter Benutzung alter Druckstöcke ausgeübt. Daneben entfaltete die Buchdruckerei von Joh. Lautenschläger eine rege Tätigkeit.
Auf eine glanzvolle Entwicklung konnte das größte industrielle Unternehmen am Ort zurückschauen, die Lederfabrik C. Freudenberg. Aus dem "Hammer", den 1869 die Firma Freudenberg in Weinheim erwarb, um hier eine Zweigniederlassung zu errichten, wurde der große, für Schönau höchst bedeutsame Betrieb, der 1914 schon 250 Arbeiter beschäftigte, deren Zahl bis in die 60er Jahre auf über 800 angewachsen war. Als 1949 das Weinheimer Werk sein 100jähriges Jubiläum beging, konnte das Schönauer Werk sein 80jähriges Bestehen feiern. Aus diesem Anlaß wurde Herr Walter Freudenberg, der in Schönau geborene Sohn des Mitbegründers und ersten Leiters der Schönauer Lederfabrik Dr. Friedrich Carl Freudenberg, vom Gemeinderat zum Ehrenbürger von Schönau ernannt. Nach der Zurruhesetzung und dem Wegzug des Direktors Dürr 1948 lag die Leitung des Werkes in den Händen der Herren Otto Schildhauer und Dr. Franz Tacheci.
Eine sehr erfreuliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse brachte 1949 die Einrichtung der Autobusverbindung Neckargemünd - Heiligkreuzsteinach.
Trotz dem Druck der Not in den schweren Jahren nach dem Krieg ist der Gewerbefleiß nicht ermüdet, das Vorwärtsstreben nicht erschlafft, die Schaffenskraft nicht gebrochen, der Frohsinn nicht erloschen und der Gesang nicht verstummt. Der Ev. Kirchenchor feierte 1978 sein 100jähriges, der Singverein Freiheit 1989 sein 100jähriges Jubiläum, und der Liederkranz feierte 1991 sein 150jähriges Bestehen festlich.
Die evangelische Kirchengemeinde hat zu der noch vorhandenen Paulusglocke, die 2 Weltkriege überdauert hat, 2 neue Glocken angeschafft: die Lutherglocke mit der Inschrift: "Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark" und die Christusglocke mit der Inschrift: "Meinen Frieden gebe ich euch". Am 19. Dezember 1949 erklang das neue Geläut zum erstenmal über der Stadt.
Bald nach Errichtung der Feuerwehrhalle wurde auch das neue Schulhaus unter Leitung des Architekten Wilhelm Kinzinger fertiggestellt, das am 16. September 1950 eingeweiht wurde und in Anerkennung der Stiftung der Firma Freudenberg, den Namen Freudenberg-Schule erhielt. Dieser Schulhausneubau ist ein Zeugnis für den Lebensmut, den unerschütterlichen Aufbauwillen, die Opferbereitschaft und die Zuversicht der Gemeinde, die ein hervorragendes Werk für die Jugend geschaffen hat, über der auch das Schöpfungswort steht, das am alten Marktplatzschulhaus eingemeißelt ist: Es werde Licht!

WIRD FORTGESETZT (1950-heute) [will be continued 1950 to present]

Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit, und alle Welt vergehet mit ihrer Herrlichkeit. Es ist nur Einer ewig und an allen Enden, und wir in seinen Händen.



Für den Verein "Alt Schönau e.V." - Schoenau Historical Society
Norbert Krämer, 69250 Schönau bei Heidelberg, Germany
kraemer-n@t-online.de

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